12. April 1945
23. Mai 1949
Stunde Null ... Besetzt! ... auf dem Weg zur Bundesrepublik

In diesem Jahr feiern wir den 60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland, die am 23. Mail 1949 als demokratische Bundesrepublik gegründet wurde.

Zuvor jedoch stand die Stunde Null, der 8. Mai 1945, der Tag, an dem das Deutsche Reich bedingungslos vor den Alliierten kapituliert hatte.

Für das fast völlig zerstörte Braunschweig kam das Kriegsende bereits am 12. April 1945. Vor der Kapitulation der Stadt hatte es noch einmal drei Tage schwersten Beschusses gegeben, um den letzten Widerstand der Verteidiger zu brechen. Nach Beendigung der Kämpfe wurde eine neue Militärregierung seitens der Amerikaner im Von Veltheimschen Haus auf dem Burgplatz, das weitestgehend von Angriffen verschont geblieben war, installiert, die später von britischen Truppen abgelöst wurde.

Südlich von Braunschweig wütete der Krieg jedoch weiter: der Harz sollte zur Festung ausgebaut und zum Kernstück der Reichsverteidigung werden, aber auch hier schwiegen angesichts der Übermacht des Gegners bald die Waffen.

Der Zweite Weltkrieg war vorüber und damit die nationalsozialistische Herrschaft beendet. Ungefähr 3,5 Millionen Soldaten und zwei Millionen Zivilisten hatten dabei ihr Leben verloren oder wurden vermisst. Das Land war fast vollkommen zerstört, es mangelte nahezu an allen wichtigen Versorgungsgütern, das Schicksal Deutschlands war ungewiß. Für die Bevölkerung, die dem Wohlwollen der Sieger ausgeliefert war, ging es zunächst um das nackte Überleben. Säuglinge und Kleinkinder starben, weil es vielerorts an geeigneter Nahrung und Medikamenten fehlte. Zudem fluteten aus dem Osten Flüchtlinge heran, die sich vor dem Wüten der Sowjetsoldaten in Sicherheit bringen wollten.
Die ohnehin knappen Lebensmittel mußten noch strenger rationiert werden und nicht überall wurden die Flüchtlinge aus den Ostgebieten freundlich aufgenommen, da man in ihnen in erster Linie Rivalen im Kampf um die begehrten Güter sah.

Da die bisherigen Garanten für Sicherheit und Ordnung nicht mehr existierten, übernahmen die alliierten Streitkräfte diese Rolle. Die Region um Baunschweig war damals von den Einheiten der 2nd US Armored Division, der 2. Panzerdivision, besetzt. Militärkommandanten übten die Polizeigewalt in ihren Zuständigkeitsbereichen aus und führten die Verwaltungsgeschäfte.

Natürlich war das Verhältnis zwischen Siegern und Besiegten gespannt: die Alliierten befürchteten Aktivitäten fanatischer Nazis, den sogenannten Werwolf, während die Deutschen vor der Rache der Besatzer bangten, zumal für diese ein strenges Verbot erlassen worden war, sich außerhalb ihrer Dienstgeschäfte mit Einheimischen abzugeben (Fraternisierungsverbot). Damit es erst gar nicht dazu kam, wurden strenge Ausgangssperren angeordnet: in den ersten Tagen nach Kriegsende durfte sich kein Deutscher auf der Straße zeigen. Dieses Verbot wurde jedoch nach und nach gelockert und aufgehoben.

Kontrollen von Ausweispapieren, Taschen und Koffern auf offener Straße oder Hausdurchsuchungen durch amerikanische Militärpolizei, die nach versteckt gehaltenen deutschen Soldaten oder Nazi-Funktionären und wichtigen Dokumenten fahndeten, waren an der Tagesordnung. Hierbei gingen die Soldaten nicht immer zimperlich mit den Besiegten um. Mehrfach kam es aufgrund mangelnder Fremdsprachenkenntnisse zu Verständigungsproblemen und oftmals recht heftigen Zusammenstößen.
Den Kindern begegneten sie GIs jedoch äußerst freundlich und verteilten Süßigkeiten an sie.

Durch Fragebögen und Verhöre wurden die Deutschen nach und nach entnazifiziert. Hierbei sollte festgestellt werden, wer seit der Machtübernahme durch die Nazis in welchem Maße an Verbrechen beteiligt gewesen war. Da die Amerikaner die Mitgliedslisten der NSDAP erbeutet hatten, war diese Maßnahme möglich geworden.
Schon im November 1945 begannen die Nürnberger Prozesse gegen die vermuteten Hauptkriegsverbrecher.

Da es überall an Übersetzern und Verwaltungshilfen fehlte, stellten die Amerikaner bald Deutsche als Zivilangestellte ein. Für die einen war dies eine willkommene Möglichkeit, sich zusätzliche Lebensmittelrationen zu verdienen, für die anderen handelte es sich hier um Opportunisten und Verräter, die sich bei den Besatzern einschmeicheln wollten.

Durch den flächendeckenden Wiederaufbau des Landes zumindest in den westlichen Besatzungszonen stellte sich heraus, daß das Nachkriegsdeutschland von den Siegern nicht in ein reines Agrarland verwandelt werden sollte.

Nichtsdestotrotz gab es durch die kriegsbedingte schwere Beschädigung der Verkehrswege noch keine wirklich funktionsfähige Industrie und die Kriegsgefangenschaft hielt Deutschland wertvolle Arbeitskräfte vor. Daher trugen die sog. Trümmerfrauen die Hauptlast bei der Beseitigung der Kriegsschäden und des Wiederaufbaus, auch in den Fabriken. Lebensmittelkarten wurden als Lohn gezahlt, der Schwarzmarkt war für viele Deutsche die einzige Möglichkeit, an die Waren zu kommen, die durch die strenge Rationierung in den Läden nicht oder nur in zu geringen Mengen erhältlich waren. Hamsterfahrten aufs Land ergänzten die Erträge aus den Kleingärten.

Auf dem Schwarzmarkt konnte man nahezu alle Arten von Waren bekommen, allerdings zu weit überhöhten Preisen. Die alte Reichsmark spielte hier als Zahlungsmittel nur eine kleine Rolle: Schmuck, Zigaretten, Alkohol und andere begehrte Tauschgüter waren die bestimmenden Faktoren

Eine weitere Herausforderung stellte die Ansiedlung und Versorgung der Flüchtlinge aus dem Osten dar Hierbei bildeten amerikanische Armeerationen einen wesentlichen Bestandteil, denn die Lebensmittel und Kohle produzierenden wichtigen Ostgebiete standen unter sowjetischer Kontrolle und konnten nicht zur Unterstützung der Bevölkerung in den westlichen Besatzungszonen herangezogen werden. Die dort befindlichen Industrieanlagen wurden von den Sowjets großflächig demontiert und als Reparationen beschlagnahmt.

Im Oktober 1945 zogen die Amerikaner vollständig aus dem Raum Braunschweig ab und übergaben im Rahmen der Bildung von Besatzungszonen die Zuständigkeit an die Briten.
Unter deren Militärrregierung kam es zu einer Umstrukturierung der Verwaltung der Bezirke und Gemeinden: die Region um Braunschweig gehörte ab November 1946 zum Land Niedersachsen.

Die harten Winter der Jahre 1946 und 1947 führten zu Hungersnöten und verlangsamten den Wiederaufbau erheblich. Die Deutschen versuchten, sich mit Kohlenklau und Schwarzhandel über Wasser zu halten. Amerikanische Zigaretten wurden zur bedeutendsten Schattenwährung im Land, da die alte Reichsmark nun weitestgehend entwertet war.
Aus den USA trafen Lieferungen der privaten amerikanischen Hilfsorganisation CARE ein, Lebensmittelpakete, mit denen die größte Not gelindert werden sollte.

Nach den Flüchtlingen und Vertriebenen des Kriegsendes setzte eine weitere Völkerwanderung ein: die Heimkehrer. Aus der Gefangenschaft entlassen suchten die ehemaligen Soldaten der Wehrmacht ihre Angehörigen und oft genug eine neue Heimat. Der Krieg hatte viele Deutsche entwurzelt. Ausgebombte Familien waren aus den Städten geflohen und hatten bei Verwandten oder in ländlichen Gegenden ein neues Zuhause gefunden. Die Suche nach ihren Angehörigen war für unzählige Heimkehrer eine Irrfahrt durch Deutschland und endete oft genug mit der Erkenntnis, daß die Familie ein Opfer der Krieges geworden war. Mit nichts als den Kleidern, die sie auf dem Leib trugen, mußten viele Heimkehrer in mehrfacher Hinsicht ein neues Leben beginnen und sich eine Existenz aufbauen.

Die amerikanische Wirtschaft, die den Krieg unbeschadet überstanden hatte, konnte direkt nach Kriegsende auf die Herstellung ziviler Güter umstellen, die das gebeutelte Europa für den Wiederaufbau dringend benötigte.
1948 hatten sich die Westalliierten entschlossen, das entmilitarisierte Deutschland zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor Europas werden zu lassen.

Der Förderungsplan des US-Außenministers Marshall sorgte mit Krediten dafür, daß Deutschland amerikanische Waren importieren konnte und gab dem Wiederaufbau Deutschlands wichtige Impulse.

In Wolfsburg wurden zwischen Ende 1945 bis 1948 30.000 Volkswagen produziert und die Wiederherstellung der Infrastruktur und die Enttrümmerung der Städte machte bis 1948 gute Fortschritte. Mit der Währungsreform wurde die Deutsche Mark eingeführt, über Nacht verlor der Schwarzmarkt seine beherrschende Rolle in der Versorgung der Bevölkerung.
Allen Widrigkeiten zum Trotz setzte das deutsche Wirtschaftswunder ein.

Während in den westlichen Besatzungszonen am Wiederaufbau und der Demokratisierung Deutschlands als wesentlicher Bestandteil eines neuen Europas gearbeitet wurde, hielten die Sowjets an einem anderen Kurs fest, der schließlich in der Blockade Berlins mündete. Berlin sollte ausgehungert werden.
Durch eine Luftbrücke aus Flugzeugen stellten Amerikaner und Briten die Versorgung Berlins sicher und spätestens jetzt war klar, daß sich die Besatzer zu befreundeten Mächten gewandelt hatten.

Einen Monat später wurde die Gründung eines neuen Deutschland, einer Bundesrepublik, beschlossen.

Am 12. Mai 1949, nach elf Monaten, gaben die Sowjets die Blockade Berlins auf und am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft.

Am 7. Oktober wurde in der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone dann das andere Deutschland, die Deutsche Demokratische Republik, gegründet. Bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 vergingen jedoch 41 Jahre deutscher Teilung.

Entstanden aus den Trümmern des großflächig zerstörten Deutschen Reiches, gebeutelt von massiven Kriegsverlusten, geteilt im politischen Machtspiel zwischen Ost und West, wiedervereinigt durch den Willen seiner Bürger, liegt heute die Bundesrepublik Deutschland als wichtiger Bestandteil der internationalen Staatengemeinschaft und stabile Demokratie im Zentrum Europas.

Happy Birthday Deutschland!