|
Wohl kaum. Nehmen wir die Lebensbedingungen der Bauern als Kriterium - immerhin gut 70 % der Bevölkerung - so lebten diese bis Mitte des 19. Jahrhunderts immer noch in Grundherrschaft und teilweise Leibeigenschaft. Auch die Macht des Adels, weiteres Charakteristikum des "Mittelalters" endete erst im 19. Jahrhundert
Viele Entwicklungen, die wir heute mit Moderne, Fortschritt und mit unserem heutigen Leben verbinden, nahmen im Mittelalter ihren Anfang. Es war eine Epoche des Übergangs wie auch der Vielfalt und des Pluralismus und hoher sozialer Mobilität, Zeit der großen Erfindungen und der Vorformen neuer Lebensweisen, die wir heute wie selbstverständlich praktizieren.
Auf dem Land hielten Drei-Felder Wirtschaft und künstliche Düngung Einzug. Städte und Bürgertum entstanden, dass Handwerk organisierte sich, die Schriftlichkeit breitete sich rasant aus. Es war der Beginn moderner Verwaltung. In den Städten wurden Wasserleitungen verlegt, Straßen gepflastert.
"Weltweiter" Fernhandel und Geldwirtschaft setzte ein. Bankgründungen ermöglichten Kredite und bargeldlose Überweisungen, die Einführung der arabischen Zahlen doppelte Buchführung. Und auch die Idee des europäischem Gedankens und die wirtschaftlichen "Globalisierung" ist "mittelalterlich".
Fast alle Universitäten wurden im Mittelalter gegründet. Gelehrte legten die heute noch gültigen Grundsteine für Mathematik und Forschung, entwickelten sogar Atomtheorien; Juristen schufen zunehmend Rechtssicherheit. Kirchenreformation und Kopernikanisches Weltbild haben ihre Vordenker im "finsteren" Mittelalter.
Ein Merkmal des Mittelalters sind zahlreiche technische Innovationen. Erfindungen des Mittelalters waren z.B. Papier, Hochöfen, Brille, Uhren, Buchdruck, die realistische Ölmalerei - und die Makkaroni und mit ihr die Gabel!
Deshalb weist die Mittelalterforschung auf die Zeit um 1300 als Enddatum des Mittelalters hin, dem Ende der Städtegründungsphase in Europa. Einigen Zeitgenossen waren die Veränderungen bewusst. Schon im 15. Jahrhundert kreierten Gelehrte den Begriff der "Moderne", der später als Periodisierungsbegriff für die "Neuzeit" allgemein üblich wurde.
Aber es gab im Mittelalter - wie zu allen Zeiten - auch kriegerische Auseinandersetzungen. Diese ware aber regional sehr begrenzt. Betroffen davon waren in aller Regel nur Könige, Adel und gelegentlich Städte. Die große Mehrheit der Bevölkerung bekam davon nichts mit.
Wir beginnen unsere Zeitreise durch das "finstere" Mittelalter aber nichts desto trotz mit einem kriegerischen Konflikt, der sich vor rund 930 Jahren hier im Harzvorland abspielte, dem Aufstand der Sachsen...weiter
© Rainer Kasties M.A. |