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Im diesem Jahr begehen wir das 200jährige Jubiläum des Herzoglich Braunschweigischen Feldkorps, der "neuen" Braunschweiger Armee nach der Auflösung des Herzogtums Braunschweig-Wolfenbüttel durch Napoleon I..
Im Jahr 1806 war das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel im Krieg Preußens und Russlands gegen Frankreich neutral geblieben, doch der braunschweigische Herzog Karl II. Wilhelm Ferdinand hatte die preußische Armee als Oberbefehlshaber in den Kampf geführt. In der Schlacht von Jena und Auerstedt am 14.10.1806 wurde er durch eine Kugel tödlich verwundet. Bevor er nach langer Flucht starb, machte er seinen vierten Sohn, Friedrich Wilhelm (9.10.1771, † 16.06.1815) zu seinem Erben.
Napoleon verkündete, dass Haus Braunschweig habe aufgehört zu existieren und gliederte das Fürstentum im Zuge der Neuordnung Deutschlands nach dem Frieden von Tilsit in das neugeschaffene, von seinem Bruder Jerôme regierte Königreich Westfalen ein. Offensichtlich hatte man in Frankreich auch das Manifest von 1792 noch nicht vergessen.
Friedrich Wilhelm war nun ein Herzog ohne Herzogtum, allein seine schlesischen Besitzungen in Oels waren ihm geblieben. Er schwor Rache an Napoleon und gelobte nicht zu ruhen, bis er das Land seiner Väter wieder von den Franzosen zu befreit hatte. Zu diesem Zweck verbündete er sich mit dem letzten noch verbliebenen Land, das gegen Frankreich Krieg führte: Österreich. Er schloss mit Erzherzog Karl in Wien einen Vertrag über die Aufstellung eines Freikorps von 2000 Mann und sammelte im Frühjahr 1809 auf eigene Kosten in Böhmen Freiwillige. Er rekrutierte in erster Linie vor den Franzosen geflohenen oder desertierten Offizieren, sowie Mannschaften der aufgelösten preußischen Regimenter.
Die Uniformen waren durchgängig schwarz. Dies hing in erster Linie damit zusammen, dass Uniformtuche rar waren. Zivilkleidung oder eroberte feindliche Uniformstücke ließen sich ohne großen Aufwand schwarz einfärben. Am Tschako war ein weißmetallener Totenkopf mit gekreuzten Knochen befestigt, welcher dem 1652 gestifteten Hausorden der Fürsten von Oels entlehnt wurde. Die nationale Geschichtschreibung des deutschen Kaiserreiches in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts interpetierte dann das Schwarz und den Totenkopf dahingehend, dass sie für die Einstellung des Herzogs standen, sein ererbten Recht zurückerobern oder bei dem Versuch sterben. dazu passte dann auch das Motto des Korps: "Sieg oder Tod". Schnell wurde dieses Korps als "Schwarze Schar" oder "Korps der Rache" in ganz Europa bekannt
Der Zug der Schwarzen Schar durch Norddeutschland 1809
Zunächst kämpfte das Korps unter österreichischem Oberbefehl als selbständige Einheit in Franken und Sachsen. Sein erstes Gefecht erlebte das Korps am 30. Mai 1809 bei Zittau. Als auch Österreich nach der Niederlage bei Wagram am 6. Juli 1809 einen Waffenstillstand mit Napoleon unterzeichnete, beschloss Friedrich Wilhelm seinen ursprünglichen Plan eines großen Volksaufstandes in Norddeutschland gegen die Franzosen wieder aufzunehmen und mit seinen Männern auf eigene Faust weiter zu kämpfen. So zog er mit seinem Korps von Zwickau aus los, marschierte durch Sachsen und Thüringen, belagerte und erstürmte das von westfälischen Truppen verteidigte Halberstadt und zog am 31. Juli 1809 in seine alte Residenzstadt Braunschweig ein. Hier wurde er zwar freudig von seinen ehemaligen Untertanen empfangen, schätze jedoch seine und Napoleons Beliebtheit falsch ein. Entgegen seiner Hoffnungen kam es zu keiner Erhebung gegen die westfälische Herrschaft.
Inzwischen waren ihm westphälische Einheiten auf den Fersen und weitere Einheiten drohten ihm den Weg nach Norden zu versperren. In dem Gefecht von Ölper vor den Toren Braunschweigs konnte er sich am 1. August behaupten. Er zog weiter nach Elsfleth an der Elbe, von wo aus er sich und seine Soldaten am 6./7. August nach England einschiffen ließ. Hier traten sie gemeinsam mit dem Herzog in britische Dienste, wurden der "Kings German Legion" eingegliedert und waren von 1810 - 1814 als "Braunschweig-Lüneburgsche Jäger", auch "Brunswick-Oels Jäger" genannt unter dem Oberbefehl des Herzogs von Wellington in Portugal und Spanien im Einsatz.
Ab 1813 begannen die sogenannten "Befreiungskriege". Der entscheidene Impuls dazu ging von der katastrophalen Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug 1812 aus. Das 1814 neu aufgestellte Korps bildete einen Teil der Reserve in der Alliierten Armee unter Wellington, wo es 1815 in der Schlacht bei Quatre-Bras und bei Waterloo kämpfte. Hierbei haben sich besonders die Avantgarde und das Leibbattalion bewährt.
Die "Befreiungskriege" endeten mit dieser Schlacht und Napoleons endgültiger Niederlage. In den deutschen Fürstentümern und neugegründeten Königreichen wurden die alten Systeme "restauriert". Die Zeit der Besetzung trug maßgeblich zum Entstehen des Einheitsgedankens und des Nationalbewusstseins in Deutschland bei.
So ist es nicht verwunderlich, dass für diese Epoche das militärische Reenactment weit stärker vertreten ist, als zivile Geschichtsdarstellung. Da aber in dieser Zeit große Teile der Bevölkerung in Europa die Erfahrung des Krieges machen mussten, ist es gerechtfertigt diese Form der "Lebendigen Geschichte" nicht allein aus militärhistorischen Aspekten zu betreiben und zu betrachten.
Text zur Verfügung gestellt vom HBF; © K. Jahn; Überarbeitung R. Kasties 2009 |