9 v. Chr.
12 v. Chr.
Rom und Germanien - Die Cherusker und das Römische Reich II
Die Römer im Braunschweiger Land?

Die römische Geschichtsschreibung kennt das das Land an der Oker nicht. Sie kennt nur die großen Ströme VISURGIS (die Weser) und ALBIS (die Elbe). Irgendwo dazwischen liegt das heutige Braunschweiger Land. Wenn im Tatenbericht des Kaisers Augustus verkündet wird, er habe Germanien bis zur Elbe unterworfen, dann möchte man meinen: Das schließt das Land zwischen Harz und Heide mit ein. Aber diese Erklärungen von römischer Seite dürfen nach Ansicht der Forschung nicht so verstanden werden, dass römische Truppen flächendeckend präsent gewesen seien.

Drei konkrete Feldzüge großer römischer Armeen bis an die Elbe sind historisch überliefert. Die Feldherren Domitius, Tiberius und Drusus stießen bis zur Elbe vor. Lediglich von Drusus wird angenommen, dass er von Mainz bis an die Weser und von dort nördlich des Harzes weiter bis an die Elbe zog, und damit durch das Braunschweiger Land kam. Es gibt von archäologischer Seite aus aber bislang keine Belege römischer Präsenz nördlich des Harzes bis an die Elbe.

Dank der jüngeren Forschung lässt sich mit hoher Sicherheit rekonstruieren, wo die Drususarmee die Weser überschritt. Ironischer Weise war dies gar nicht an der Weser, sondern an der Werra. Aber tatsächlich sind ja Weser und Werra der gleiche Fluss.

Lager Hedemünden, Rekonstruktion. © Kreisarchäologie Göttingen

Seit 2004 untersucht die Kreisarchäologie Göttingen eine vorgeschichtliche Befestigung bei Hedemünden. Sowohl durch die Funde - römische Keramik, Münzen, Militaria - als auch durch die heute viel besser erkannte Struktur der Anlage gibt sich der Platz als eindeutig römisches Versorgungslager zu erkennen. Außerhalb des schwer befestigten Hauptlagers befand sich ein Marschlager zu. Die Datierung der Münzfunde zeigt, dass das Lager während des Drususfeldzuges in Gebrauch war.

Hedemünden liegt noch gut sechs Tagesmärsche von der Oker entfernt. Neuerdings gibt es Hinweise auf den weiteren Marschweg nach Norden. Etwa fünf Kilometer nördlich des Lagers wurde ein Außenposten gefunden. Zur Elbe führt der Weg von hier über die Leine und dann weiter über die Oker. Aber wo? Bei Vienenburg, Schladen, Ohrum oder gar bei Wolfenbüttel oder Braunschweig? Wir haben bisher keinen brauchbaren Hinweis. Die Mehrzahl der römischen Funde im Braunschweiger Land gehört in die späte Kaiserzeit. Sie signalisieren nicht die Anwesenheit von römischen Truppen, sondern sind als Handelsgut oder Beute hierher gelangt.

Nur drei Tagesmärsche von der Oker entfernt liegt im Südosten nahe Seesen eine Höhe, die Harzhorn genannt wird. In Zusammenarbeit von Amateuren mit der Kreisarchäologie Northeim und der Bezirksarchäologie Braunschweig konnten am Hang des Harzhorns 2008 eine Reihe von Metallobjekten römischer Herkunft geborgen werden. Alles spricht dafür, dass hier eine Schlacht stattgefunden hat.

Unter den Funden sind römische Militaria, die in die erste Hälfte des dritten Jahrhunderts datiert werden müssen. Die Untersuchungen stehen noch sehr am Anfang. Skeptiker erklären, dass zu dieser Zeit auch Germanen römische Waffen benutzt haben und es sich auch um einen rein germanischen Kampfplatz handeln könne. Einige der Funde aber verbieten diese Auffassung. Spitzen von römischen Katapultbolzen und römische Wagenbeschläge lassen nur die Interpretation zu: Hier haben römische Truppen gekämpft.

Und bisher rechnete die Geschichtsforschung nicht damit, dass im dritten Jahrhundert römische Truppen so weit im Inneren Germaniens operierten. Hinzu kommt, dass die Funde vom Nordhang des Harzhorns stammen. Die Befunde machen wahrscheinlich, dass die römischen Truppen die Höhe von Norden kommend angriffen. Man darf also annehmen, dass sie auf dem Rückweg von einer Expedition waren, die sie noch weiter in den Norden geführt hatte. Wie gesagt: Drei Tagesmärsche von hier fließt die Oker.