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Herzog Heinrich Julius und Prag
Das ganze vorausgehende Jahrhundert beschäftigten die deutschen Lande zwei Themen die Reformation, die ein kleiner Augustiner Mönch aus Wittenberg ausgelöst hatte und die Auseinandersetzung der Fürsten mit den Habsburger Kaisern.
Die regierenden Herzöge zu Braunschweig-Wolfenbüttel waren durchaus dem Habsburger Kaisern treu ergeben und so setzte der Herzog Heinrich Julius große Hoffnung in die Reise nach Prag, die er im Jahre 1607 antrat. Galt es doch am kaiserlichen Hof zu klären inwieweit die unbotmäßige Stadt Braunschweig durch kaiserliches Wort zu bändigen sei.
In Prag gewann er das Vertrauen des Kaisers Rudolf II. und wurde geheimer Rat und war als Protestant am Ausgleich wischen den böhmischen Ständen und seiner katholischen Majestät beteiligt, der im sogenannten Majestätsbrief seinen Höhepunkt fand. Religionsfreiheit für die Böhmischen Protestanten!
Heinrich Julius setzte erfolgreich die Politik seines Vaters fort und das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel wurde unter seiner Regenschaft zum mächtigsten Territorialfürstentum Norddeutschlands. So erfolgreich er als Diplomat war, so wenig war er der Sohn seines Vaters bei der Betrachtung seiner Ausgaben und Wirtschaftspolitik.
Ambitioniert wie er war, wurden aber auch Unsummen in die militärische Aufrüstung gesteckt. Die Landesfestung Wolfenbüttel wurde zur mächtigsten Festung zwischen Elbe und Rhein. Die Reform des alten Aufgebotsrechtes schuf die Grundlagen für ein modernes Heer im Niedersächsischen Kreis, das nach spanischer und niederländischer Weise auf jedem Schlachtfeld hätte bestehen können und verlangte das die Zeughäuser des Fürstentums mit modernstem Gerät gefüllt werden. Auch seine diplomatische Mission in Prag zerrte am Staatsschatz.
Einer der größten Leistungen dieses humanistischen gebildeten, um Ausgleich zwischen den Konfessionen bemühte Fürsten war die Vermittlung zwischen dem Kaiser und den Böhmischen Ständen im Jahre 1609, der Frieden bis zu einem verhängnisvollen 23.Mai 1618 bewahren sollte!
So ist dieses Jahr geeignet gerade an diese verfehlte Chance zu erinnern und einen Fürsten, den es in Anliegen war Konfessionen zu versöhnen. Als er 1613 starb hinterließ er einen weitgehend bankrotten Staat und ein schwere Erbe in schweren Zeiten, dem sich seine beiden Söhne Christian und Friedrich Ulrich stellen mussten.
Das aufziehende Gewitter - Friedrich Ulrichs schweres Erbe
Als Friedrich Ulrich regierender Herzog wurde, war der Einfluss seines Onkels, des dänischen Königs Christian am Wolfenbütteler Hof schon längst gefestigt, der doch eigene Ziele verfolgte.
In den folgenden Jahren spielte auch sein Bruder Christian einer unheilige Rolle.
Wenn der eine das Fürstentum als Spielstein gegen die Habsburger zum Nutzen eigener Interessen einsetzte, nutzte Christian die Ressourcen um seinen Abenteuerdrang zu befriedigen.
Schon längst waren die Tage der Entspannung zwischen den Konfessionen beendet, als wütende böhmische Adlige durch die Übergriffe auf kaiserliche Bedienstete jeglichen Ausgleich unmöglich machten! Dieser Prager Fenstersturz im Mai 1618 setzte eine Lawine von Ereignissen in Bewegung und löste einen Krieg aus, der bald auch das Braunschweiger Land erreichen sollte!
Christian IV. von Dänemark nutzte das Fürstentum Braunschweig - Lüneburg als Schachfigur gegen den Kaiser. Zog der Bruder Christian mit einem eigenen Heer mit dem Ausbruch der Feindseligkeiten in sein großes Abenteuer.
Noch kur vor der entscheidenden Schlacht zog Friederich Ulrich seine Truppen nach Braunschweig zurück und unterwarf sich dem Kaiser. Alle Hoffnung für den Dänenkönig aus dem Krieg in Böhmen Vorteil zu schlagen wurden 27.August 1626 bei Lutter am Barenberg erstickt.
Das Heer des Niedersächsischen Kreises und die deren dänische Verbündete wurden vernichtend geschlagen, die Hälfte seiner Armee fast 10.000 Männer blieben auf dem Schlachtfeld. Der Rest zog sich in wilder Flucht auch nach Wolfenbüttel zurück, wo sie sich sicher wähnten.
Noch bevor sich der Belagerungsring sich im Sommer 1627 schloss verwüsteten die dänischen Truppen unter General von Solms 23 Dörfer der Umgebung und die Klöster Dorstadt und Heiningen. Der Dreißigjährige Krieg hatte endgültig das Braunschweiger Land erreicht.
Die Festung Wolfenbüttel fiel nach 140 Tagen Belagerung durch den kaiserlichen General Pappenheim.
Man hatte jedes Mittel probiert um die Festung zu knacken. Letztendlich war es die Lage der Festung im Okertal, die ihr zum Verhängnis wurde. Pappenheim nutzte die Arbeitskraft der Bauern der Umgebung um mit einem eilig gebauten Damm das Wasser der Oker in die Festung hinein zu stauen. Aller Vorräte beraubt, hungernd und frierend gab die Festung im November 1627 auf.
Noch weitere 16 Jahre kehrte der Krieg immer wieder in das Land zurück, ehe der neue Herzog August als Friedensfürst 1643 in die zerstörte Residenzstadt Wolfenbüttel mit großem Pomp einzog.
© Claus Meiritz |