1173
1175 n. Chr.
Bellum saxonicum - Der Sachsenaufstand
1073-1075

"... nicht gegen den König, sondern den ungerechten Räuber meiner Freiheit,
nicht gegen das Reich, sondern für das Reich und meine Freiheit
...greife ich zu den Waffen und fordere, dass ihr mit mir zu ihnen greift.
Also wacht auf ..."

Otto von Northeim, Rede in Hoetensleben1

Wir befinden uns in den Jahren 1073 bis 1075 nach der Fleischwerdung unseres Herrn Jesus Christus. Im deutschen Reich herrscht Krieg.

Der junge salische König Heinrich IV. (* 11.11.1050, Goslar; + 7.08.1106, Lüttich) bringt mit seiner "Königslandpolitik", die er vornehmlich im damaligen sächsisch-thüringischen Raum um den Harz betreibt, Adel und Volk gegen sich auf. Eine führende Rolle in der Opposition übernehmen sein früherer Rat Graf Otto von Northeim (+ 1083) sowie Bischof Burchard von Halberstadt (+ 1088).

Heinrich IV. versucht seit Ende der 1060er Jahre mit der Einrichtung von königlichen Burgbezirken die Kontrolle des Königtums im Norden des Reiches zu festigen. Als treibende Kraft dahinter wird allgemein sein Ratgeber Erzbischof Adalbert von Bremen (+ 1072, Goslar) angesehen. Aufgrund massiver Vorwürfe der persönlichen Vorteilsnahme für sein Erzbistum muss Adalbert zwischenzeitlich den Hof verlassen, kehrt jedoch 1069 zurück und bestärkt Heinrich IV. in seiner Politik der Errichtung eines Königsterritoriums am Harz. Heinrich lässt hierzu zahlreiche, teils mächtige Burgen im Harzgebiet errichten. Er besetzt diese nicht mit ihm lehnspflichtigen sächsischen Adligen sondern mit süddeutschen Ministerialen. Es ist zu vermuten, dass er die Schicht der "sächsischen Freien" - des Landadels - zu einer Art Ministerialen umzuformen, d.h. nach zeitgenössischen Verständnis "niederdrücken" wollte. Repressalien, Übergriffe und wirtschaftliche Belastungen gegenüber dem sächsischen Volk und Adel führen zum offenen Aufstand.

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Der Konflikt steuert auf einen ersten Höhepunkt zu, als Heinrich IV. Vertreter des sächsischen Adels am 29. November 1073 zum Hoftag nach Goslar lädt und sie wie Knechte vor der Königspfalz warten lässt.

Der Chronist Bruno von Merseburg, als Sachse nicht ganz objektiv, berichtet dazu: "Der König vertrieb sich lieber die Zeit mit Würfelspiel und anderen unnützen Dingen, als wichtige Staatsgeschäfte zu betreiben."

Bildrechte FFC Dieser Schmach trotzend, rücken daraufhin die Sachsen anschließend mit großem Heeresaufgebot an und der König flieht auf die Harzburg. Es kommt zur Belagerung, aus der sich der König im August befreien kann und nach Hersfeld (heute Hessen, damals Thüringen) flieht. Vor den Großen des Reiches klagt Heinrich IV. die sächsischen Aufständischen an. Die Unterstützung Heinrichs fällt jedoch eher verhalten aus und die Fürsten suchen die Entscheidung lieber auf dem Verhandlungswege zu erreichen. Heinrich ist gezwungen den Vermittlungsversuchen nachzugeben und im Kompromissfrieden von Gerstungen am 2.02.1074 der Schleifung aller königlichen Burgen in Sachsen zuzustimmen.

Nur Widerwillig lässt Heinrich diese Vereinbarung umzusetzen. Der sächsische Adel scheint sich auch zunächst damit zu arrangieren. Der Unmut des Volkes hingegen ist groß und wird dadurch offensichtlich noch angeheizt. Es kommt zu Übergriffen auf königliche Ministeriale. Vom Adel verraten, so die langläufige Meinung, beginnt der Mob zu regieren.

Der Höhepunkt des "Volksaufstandes" wird erreicht, als im März 1074 sächsische Bauern in die Harzburg einfallen, die Stiftskirche plündern, dass Grabmal des Sohnes Heinrichs IV. und seines Bruders schänden, sowie Burg und Kirche bis auf die Grundmauern niederreissen.

Diese Provokation liefert Heinrich den Grund, die deutschen Fürsten zum Krieg gegen die aufständischen Sachsen und Thüringer aufzurufen. Obwohl der sächsische Adel anbietet Burg und Grabmäler auf eigene Kosten wieder herzurichten, scheint jede Verhandlungsmöglichkeit ausgeschlossen. Zu tief ist die persönliche Kränkung, zu groß die allgemeine Empörung im Reich über diese Tat. Heinrich IV. gelingt es darüber hinaus, die Unterstützung seiner Fürsten wiederzuerlangen. Im Herbst 1074 beginnt er bei Breitenbach, Bebra (heute in Hessen damals Thüringen) ein mächtiges Heer zu sammeln und zieht im darauffolgenden Frühjahr gegen die Thüringer und Sachsen mit großem Aufgebot ins Feld.

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Am 9.06.1075 treffen die beiden Heere bei Homburg an der Unstrut aufeinander. Auf der Seite des Königs kämpfen u.a. sein Schwager Rudolf von Rheinfelden (der später die Seite wechselt und zum Gegenkönig gewählt werden wird), der böhmische Herzog Vratislav II., der Bischof von Bamberg, Graf Hermann II. von Gleiberg, der lothringische Herzog Dietrich II. und Markgraf Ernst von Österreich, der im Kampf sein Leben verliert.

Der Chronist Lampert von Hersfeld berichtet: darüber:
"Die Schlacht hatte sich bereits vom Mittag bis zur neunten Stunde hingezogen, und es war schon nahe daran, dass sich zwei Heerhaufen zweier Länder, Schwaben und Bayern, zur Flucht wandten, und wiederholt meldeten Boten dem König, dass ihre Leute in höchster Gefahr seien, da rückten plötzlich Graf Hermann von Gleiberg auf der einen, auf der anderen Seite die Bamberger Mannen zum Angriff heran. Jetzt wirft auch der Herzog von Böhmen, jetzt der Herzog Gozelo von Lothringen ihre Reiter mit verhängten Zügeln in den Kampf. Diesem gewaltigen Ansturm konnten die Sachsen nicht mehr standhalten und wichen langsam zurück".

Bildrechte FFCHeinrich zieht anschließend mit großer Macht durch Thüringen nach Sachsen, wo es am 27.10. bei Sondershausen vor dem versammelten Heer zur öffentlichen Unterwerfung der sächsischen Führer kommt. Für den jungen König ein triumphaler Erfolg, den er laut Lampert von Hersfeld auch bis zur Gänze auskostet, indem sich die Aufrührer dem König barfüßig und bedingungslos unterwerfen müssen und sogar in Haft begeben müssen, während ihre Lehen anderweitig vergeben werden.

An Weihnachten des Jahres 1075 zu Goslar versprechen die anwesenden Fürsten des Reiches Heinrich IV. feierlich, keinen anderen als seinen Sohn Konrad zum König zu wählen.

Heinrich IV. versucht auch in den Folgejahren seine Machtstellung im Harzvorland auszubauen und loyale Gefolgsleute dort zu installieren. 1086 verschenkt er die ehemalige Königspfalz Werla an den Bischof von Hildesheim. Zu dieser Schenkung gehört auch eine Dömane. Als Vogt setzt der Bischof Eiko von Dorstadt ein, der seinen Stammsitz im heutigen Dorstadt hat.

Der Konflikt zwischen sächsischen Adel und Fürsten und den salischen Königen zieht sich noch weitere 50 Jahre hin. Aber selbst mit dem Tod des letzten Saliers Heinrich V. 1125 kommt das Land nicht zur Ruhe. Unter dem, aus sächsischen Hause stammenden König und Kaiser Lothar III. von Süpplingenburg setzt sich der Konflikt zwischen Nord und Süd fort...weiter

Die Darsteller
Franco Flemish Contingent 1066

Die Mitglieder des "Franco Flemish Contingent 1066", kurz "Kontingent" haben die Herausforderung angenommen, eine mehrere Hundert Personen starke Einheit in einem engen Zeit- und Raumfenster darzustellen, ohne dabei unnötige Kompromisse einzugehen.

Das Kontigent stellt eine salierzeitliche militärische Abteilung des 11. Jh. Die Truppenstärke liegt derzeit bei bis zu 300 Mann, aufgeteilt in die Abteilungen Infanterie, Reiterei, Fernwaffen und Tross. Zur Darstellung gehört neben der militärischen Präsentation im Felde, auch ein über hundert Zelte umfassendes Heerlager mit Handwerkern und Händlern.


1 Bruno, De bello saxonico liber, ed. W. Wattenbach, MGH. Scriptores rer. germ. [15] 1880, S. 15 f