2200 v. Chr.
500 v. Chr.
Bronzezeitliche Kulturen und Fundstätten
im Braunschweiger Land

Während in Mitteleuropa und Süddeutschland ab ca. 1800/1700 v.u.Z. bereits die frühe Bronzezeit (Frühaunjetitz) einsetzt, herrschte in Norddeutschland noch das Endneolithikum mit der Schnurband- und der Einzelgrabkultur.

Zwischen den spätneolithischen und bronzezeitlichen Kulturen kam es zu einem intensiven Kultur- und Wirtschaftsaustausch. Z.B. sind Äxte, Beile, Pfeilspitzen und Dolche aus Felsgestein und Flint oft Metallvorbildern nachempfunden. Die sorgfältig gearbeiteten Flintdolche und Lanzenspitzen blieben nur noch bis an das Ende der frühen Bronzezeit in Gebrauch, während Pfeilspitzen bis weit in die jüngere Bronzezeit noch aus Flint gefertigt werden.

Aus der älteren Bronzezeit (ca. 2000 v.u.Z.) stammen ein mehrperiodisch genutzter Grabhügel aus Neuenkirchen mit Gräbern der Einzelgrabkultur sowie Hockerbestattungen der frühen Aunjetitzer Kultur in Werlaburgdorf/Schladen.

Bildrechte Rainer Kasties

Erst ab ca. 1600 bzw. 1550 v.u.Z. beginnt in Nord- und Westniedersachsen die frühe Bronzezeit. In Südniedersachsen erscheint bereits 1700 v.u.Z. die frühe Aunjetitzer (Leubinger) Kultur (bis ca. 1500 v.u.Z).

Die frühe Bronzezeit ist im Braunschweiger Land vertreten durch Hockergräber der frühen Aunjetitzer Kultur in Werlaburgdorf/Liet und Hetelberg/Gielde.

Von etwa 1800 bis 1500 v.u.Z. breitet sich die mitteldeutsche Hochaunjetitzer Kultur aus, eine sehr einheitliche Kultur, die vom Harz bis nach Böhmen und Ungarn reicht. Namensgebend ist die in Süddeutschland sehr ausgeprägte Hügelgräberkultur, die einen Eindruck des Reichtums dieser Kulturepoche widerspiegelt und auch auf die Existenz sozial herausgehobener Personenkreise und Gesellschaftsgruppen hinweist. Typisch war reicher Frauenschmuck in den Gräbern.

Die Hügelgräberkultur hat ihre Ausläufer bis zum nördlichen Rand der Mittelgebirge und wurde auch von der Aunjetitzer Kultur übernommen. Fundorte der südwestdt. Hügelgräberkultur befinden sich in Neuenkirchen mit einem mehrperiodisch genutzten Grabhügel sowie sechs weiteren Hügelgräbern in Klein Mahner, Gielder "Lindwehr", Schladener "Sudholz", Wehrer "Birkenweg" und Beuchter "Schierck". Alle Hügelgräber liegen an alten Verkehrswegen und weisen zahlreiche Beigaben wie Fibeln, Nadeln, Armringe, Perlen und Bronzedrahtröllchen auf.

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Nach der starken kulturellen Zersplitterung der mittleren Bronzezeit folgte eine größere kulturelle Vereinheitlichung. Die Metallgegenstände haben nun über größere Distanzen hinweg einen recht einheitlichen Charakter, Schmuck und die Tonware bleiben aber regional unterschiedlich.

Ab ca. 1200 v.u.Z. wird eine neue Bestattungsform, die der Brandgräber namensgebend für die "Urnenfelderbronzezeit", deren Merkmale die reine Urnenbestattung mit Beigefäß und das völlige Fehlen von Metallbeigaben sind. Träger der Urnenfelderkultur in Mittel- und Ostdeutschland ab ca. 1300 v.u.Z. ist die ostdeutsche Lausitzer Kultur, die im Harzgebiet durch die sog. Saalemündungsgruppe vertreten ist.

Ein Fundort der jüngeren Bronzezeit im Braunschweiger Land ist Lah/Neuenkirchen mit einem mehrperiodisch genutzten Grabhügel der ausgehenden Hügelgräberzeit, der in drei Gräbern den Wandel von Körper- über Brandschüttung- zur reinen Urnenbestattung um ca. 1300 v.u.Z. widerspiegelt.

Ab ca. 1200 v.u.Z. dominieren die Brandgräber der Urnenfelderkultur im Harzvorland. Typische Urnenbestattungen wurden ergraben in Lah/Neuenkrichen, Kl. Mahner und Liebenburg.

Für das Braunschweiger Land ist es von besonderen Interesse, dass sich nachweislich Rammelsberger Kupfer in jungbronzezeitlichen (ca. 1000 v.u.Z.) Schmuckscheiben fand, die südlich von Hannover gefunden wurden. Dieser Fund belegt zum einen den Kupferabbau am Rammelsberg bereits in der Bronzezeit und zum anderen den offensichtlich vorhandenen Fernhandel mit dem Rohstoff oder den Fertigprodukten. Typisch für die jüngere Bronzezeit ist auch der Burgenbau als Ausdruck eines Schutz- und Repräsentationsbedürfnisses.