1125
1250 n. Chr.
Welfen und Staufer - Die Zeit Kaiser Ottos IV.
Hoftag in Goslar (Bildrechte IG Wolf)

1125 endete die Herrschaft der salischen Dynastie, die zuvor die deutschen Könige und Kaiser des römischen Reiches gestellt hatten. Zwischen den Geschlechtern der Welfen und der Staufer entbrannte ein Streit um die Nachfolge, der diese Zeit entscheidend prägte.

1142 wurde der Welfe Heinrich XII. der Löwe, Herzog von Sachsen. Er entwickelte sich zu einem der mächtigsten Territorialfürsten des deutschen Reiches und zum Gegenspieler des 1152 zum König gewählten Staufers Friedrich I. "Barbarossa". Selbstbewusst heiratete Heinrich der Löwe 1168 Mathilde Plantagenet, die Schwester des späteren englischen Königs Richard I. Löwenherz.

Heinrich förderte Braunschweig als seine Residenz und ließ dort die Burg Dankwarderode bauen, den Braunschweiger Löwen als Zeichen seiner Macht errichten und den Bau des Doms beginnen.

In den andauernden Streitigkeiten wurde Heinrich mehrfach von König Friedrich I. auf den in verschiedenen Teilen des Landes stattfindenden Hoftagen "vor Gericht" geladen.

Adelszelt 12. Jahrhundert (Bildrechte IG Wolf)

Diese Hoftage werden als sehr prunkvolle Ereignisse beschrieben, zu denen der Hochadel mit großem Gefolge anreiste. Zu ihrer Unterbringung wurden Zeltstädte im Umkreis der jeweiligen Pfalz oder Burg errichtet.

Wie es in einer solchen Zeltstadt aussah, zeigt das Lager der IG Wolf e.V. und weiterer Gruppen aus Deutschland und Mathildes Heimatland England, die sich der Darstellung dieses Zeitraumes verschrieben haben. Neben dem Glanz der Adligen in kostbaren Seidengewändern, den bestickten Wandteppichen und vielen Kostbarkeiten des höfischen Haushalts, findet sich in so einem Lager aber auch eine große Schar von Bediensteten, die in schlichter Kleidung die Tätigkeiten des Alltags verrichten. So lässt sich hier auf einen Blick die feudale Lebenswelt und der große Unterschied zwischen dem Adel und der arbeitenden Bevölkerung erfassen.

Adelog von Hildesheim (Bildrechte Carlo Niato)

1179 konnte Friedrich I. mit Hilfe der Nachbarn Heinrichs, die mit Mißtrauen und Neid die welfischen Expansionsbestrebungen sahen, den Herzog entmachten. Einer dieser Nachbarn und Nutznießer des Sturzes Heinrichs war Adelog von Dorstadt, Bischof von Hildesheim.

Musikerin (Bildrechte IG Wolf)

Heinrichs Sohn, Otto IV. wurde 1196 von Richard I. als Herzog von Aquitanien belehnt. Damit regierte er das einstige kulturelle Zentrum Europas. Seit Ende des 11. Jh. und besonders unter Eleonore von Aquitanien (Mutter von Richard I. Löwenherz) hatte sich dort, im Süden Frankreichs, die Dicht- und Sangeskunst der Troubadoure entwickelt, die von dort ins angrenzende Nordfrankreich (Trouvères) und nach Deutschland (Minnesänger) ausstrahlte. Zum Ende des 12. Jahrhunderts hatten auch die deutschen Könige schon längst eigene Hofdichter und Barbarossas Sohn Heinrich VI. machte sich gar selbst als Minnesänger einen Namen.

Kein Wunder also, dass wir der Musik und Dichtung dieser Zeit einen festen Platz im Programm einräumen!

Thema: Otto IV. - Ein Welfe auf dem Königsthron

Ritter des 12. und frühen 13. Jh. (Bildrechte IG Wolf)

1198 wurde Heinrichs Sohn als Otto IV. von den Fürsten zum deutschen König gewählt. Er konnte sich aber als Gegenkönig nicht gegen den Sohn Friedrichs I., Philipp von Schwaben durchsetzen. Dies änderte sich erst, als dieser 1208 von seinem wittelsbacher Widersacher Pfalzgraf Otto ermordet wurde. So konnte Heinrich der Löwe es leider nicht mehr erleben, dass sein Sohn 1209 auch die Kaiserkrönung erlangte.

Otto IV. regierte ab 1208 als deutscher König. 1209 hielt er in Braunschweig ein Turnier ab, für das ein Schmuckkästchen hergestellt wurde, welches die Wappen der beteiligten Adelsdamilien zeigt. Auch das Wappen Bernhards von Dorstadt ist darauf zu sehen.

Otto IV. starb im Mai 1218 auf der Harzburg und ist im Braunschweiger Dom St. Blasius bestattet. Sein Testament wurde von Johannes Markus von Dorstadt, Propst von Bardowiek aufgenommen, der auch Papst Honorius III. von Ottos Tod in Kenntnis setzte.

Auf Otto IV. folgte mit Friedrich II. der letzte staufische König. Friedrich überließ Deutschland weitgehend seinem Sohn König Heinrich (VII.) und kümmerte sich mehr um seinen sizilianischens Reichsteil, wo er auch residierte.

Während dieser turbulenten Zeit haben Welfen und Staufer ausgiebig Städte gegründet (z.B. Lübeck, München) und diese üppig mit Rechten ausgestattet, um von den aufstrebenden und finanzstarken Städten sowie dem prosperierenden Handel zu profitieren. Damit haben sie ganz entscheidend die Weichen für die weitere Entwicklung der Geschichte gestellt.

Stadtrechtsprivilegien Hannover, 1241, Stadtarchiv Hannover, Urk. Abt. I, Nr. 1

Schon Ottos Erben mussten sich von den Städten deren Unterstützung mit umfangreichen Zugeständnissen und Verpfändung von Stadtrechten erkaufen. Ottos des IV. Enkel, Herzog Otto I. von Braunschweig (* 1204; † 9. Juni 1252) hatte diese Unterstützung der (nieder)sächsischen Städte erhalten und sich 1234 mit dem Staufer Friedrich II. ausgesöhnt. Un der wurde mit dem alten Herzogtum Sachsen, welchen nun Herzogtum Braunschweig-Lüneburg hieß, vom König belehnt. Im Gegenzug für ihre Hilfe musste der neue Herzog den Städten für ihre Untertstützung danken, in dem er z.B. 1241 der Stadt Hannover ihre erworbenen Rechte bestätigte.1 Als erste Zeugen unterzeichneten Bernhard von Dorstadt und sein Sohn Conrad.

Doch dies ist die Geschichte der Städte, Bürger und Handwerker ...weiter

Die Darsteller
IG Wolf und andere

(Bildrechte IG Wolf) Das 12. und 13. Jahrhundert wird im allgemeinen unter der Bezeichnung Hochmittelalter geführt. Diese Zeit ist geprägt von vielen Veränderungen und einer allgemeinen Blüte der Kultur. Von besonderer Bedeutung sind für diese Epoche die Kreuzzüge, die weit über ihre militärischen Aspekte hinaus besonderen Einfluß auf Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur Mitteleuropas ausübten. Durch sie kam Europa und besonders auch der deutsche Teil (wieder) in engeren Kontakt mit den Überlieferungen und dem Wissen der Antike, von Gewürzen, Stoffen und technologischen Fortschritten ganz zu schweigen.

Auf der Zeitinsel werden den Besuchern viele Aspekte dieses im Umbruch befindlichen Abschnittes vor Augen geführt und erlebbar gemacht. Den Unterschieden zwischen den Ständen, hier z.B. einige wenige prächtig gekleidete Adelige, dort die große Masse der eher farblosen einfachen Bevölkerung mit ihren sehr verschiedenen Lebensumständen wird besondere Aufmerksamkeit zuteil. Kleidung und Mode werden als besondere Programmpunkte erläutert.

Chirurg, 12.-13. Jahrhundert (Bildrechte Carlo Niato)

Aber auch die unterschiedlichsten Handwerker vom Schmied über Schnitzer bis zum Schreiber, Architekten und Baumeister, Ärzte und Bader und besonders die Händler mit ihren Waren zeigen deutlich, dass sich hier vieles bewegt und sich in die städtische Kultur die auf unsere Jahrhunderte folgen wird entwickelt.

Alle Darsteller und Gruppen, die neben Deutschland auch aus Belgien, Italien und England nach Dorstadt kommen, sind seit vielen Jahren mit ihrer Darstellung und dem Hochmittelalter eng verbunden. In dieser Zeit wurde ein immenses Fachwissen zu einer Vielzahl von großen und kleinen Themen erarbeitet. Das besondere ist jedoch, dass es für die Besucher die einmalige Möglichkeit gibt, mit den Akteuren ins Gespräch zu kommen und die gezeigten Dinge anzufassen, sie sich erklären oder vorführen zu lassen und an einigen Stellen auch durchaus mal etwas Neues bzw. Altes auszuprobieren. Und wenn man dann die Zeitinsel wieder verlässt wird man besser verstehen, dass das Hohe Mittelalter keineswegs ein Finsteres war…

IG Wolf e.V. (D) – 1193, Adelige, Kreuzritter, Musiker, Handwerker und einfaches Volk
Viatores equo (D) – 1. Hälfte 13. Jh., Tuchhandel
Foracheim (D) – 1248, Schuster
IG Volkelin (D) – 1250, verschiedene Handwerke und Handarbeiten
Gericheim (D) – 1250, Baumeister, Sachkultur
Familia ministerialis (D) – 1280, Färberei, Zimmerleute
Milites Silvarum (I) – 13. Jh., Baumeister, Chirurg, Bischof
Ars Replika (D) – 1300, Handwerker, Händler, städtisches Leben
Das Handarbeitshaus der Elisabeth (D)
Furor Normannicus


1 Stadtarchiv Hannover, Urk. Abt. I, Nr. 1