1137
1235 n. Chr.
Die Glanzzeit des Adels

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Im ausgehenden 11. und im 12. Jh. entwickelten die Ministerialen ein eigenes adliges Standesbewusstsein. Und in dem Maße, wie sich anfangs der altfreie Adel gegen die Emporkömmlinge abgrenzte, entwickelten auch sie starke Abgrenzungstendenzen nach unten.

Im Verlaufe des 12. und 13. Jh. wuchsen beide Adelsgruppen zunehmend zusammen und bilden seit dem 13. Jh. die Schicht des niederen Adels und sehr viel später die "Reichsritterschaft" der frühen Neuzeit.

Der Adelsstand war nicht gleichbedeutend mit dem Ritterstand. Geht man nach dem, was Medien, Romane und Mittelaltermärkte vermitteln, hat es im Mittelalter anscheinend nur "Ritter" gegeben.

Schwertleite - Bildrechte Hortus lupi

Interessanterweise stellten aber gerade die Ritter nur einen geringen Anteil am Adel. Im "Musterfeudalstaat" Frankreich beispielsweise waren von den Angehörigen des 40-50.000 Adels im Spätmittelalter zu keinem Zeitpunkt mehr als lediglich 4000, zeitweise sogar nur 2350 Personen "Ritter".

Das 12. und 13. Jh. sind die Blütezeit des Adels. In einer von Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum und wenig Konflikten geprägten Epoche konnte sich der Adel der Verfeinerung des Lebens zuwenden. Höfisches Leben, Minnesang, ein idealisiertes Rittertum und Turniere sind die bekanntesten Merkmale dieser Zeit, die bis heute das Bild vom Mittelalter prägen und verklären.

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Bildrechte Hortus lupi

Bereits Mitte des 13. Jh. begann der Niedergang der "Edelfreien", verbunden mit dem des deutschen Königtums und dem Erstarken der Landesherrschaften, welche die adligen Geschlechter auf den Stand des "Dienstadel" (Ministerialadel) herabdrückten oder militärisch beseitigten.

Zugleich gab es eine "soziale Abstiegsmobilität" im Adel. Herrschaftsteilungen schmälerten die finanzielle, Krieg und die Versorgung nachgeborener Söhne im kirchlichen Dienst die genealogische Basis. Althergebrachte Einnahmen brachen weg: Die Landesherren zogen die Gerichtsbarkeit an sich, dadurch entfielen die Gerichtsgebühren. Gewinne aus dem Kriegsdienst entfielen, da die Lehnsherren einerseits dazu übergingen, ihre Feldzüge mit Söldnern zu bestreiten und andererseits dem Adel im Zuge der Landesfriedensgesetzgebungen das Fehderecht verweigerten. Zunehmendes Raubrittertum waren die Folge...

Codex Manesse, 1300-40, UB Heidelberg, Cod. Pal. Germ. 848 Neidhard von Reuental (Jammertal); möglicherweise mit Gläubigern dargestellt, 1. Hälfte 13. Jh. Neidhard bezeichnete sich selbst als einen "verarmten Ritter".

Lehnsbesitz fiel entweder an den Landesherrn "heim" oder wurde sukzessive im Kontext der landesherrlichen Herrschaftsverdichtung entzogen; Burgen wurden - oft mit Hilfe der Städte - eingenommen und geschliffen.

Zeitgleich begann eine neue Gruppe des "Adels" ihren Aufstieg an den Höfen: Bürger - Kaufleute und studierte Juristen - wurden wg. ihrer Kenntnisse in Ökonomie und Verwaltung in den Adelstand erhoben und verdrängten den Geburtsadel.

Seit dem 14. Jh. verlor der Adel mit der Zurückdrängung der Lehnsaufgebote durch das aufkommende Söldnerwesen zudem noch seine militärische Bedeutung.

Auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsens sank die Zahl der Adelsgeschlechter vom 13. Jh. bis zum Ende des Mittelalters von rd. 1500 auf 350. Sie starben aus, sanken in das Bauerntum ab oder gingen in die Städte.

Doch was für Möglichkeiten hatte der Landadel, sich dem Zeitenwandel anzupassen wenn er nicht verdrängt werden wollte?

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Die Darstellung zivilen wie militärischen Alltags der Edelherren und -damen wird visualisiert von den Gruppen IG Wolf, Hortus Lupi und Furor normanicus.

Die IG Wolf ist ein europaweit agierender, eingetragener und gemeinnütziger Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Alltag und Kultur des Hochmittelalters um 1193 n.Chr. möglichst authentisch und facettenreich darzustellen.

Hortus Lupi ist eine noch recht junge Gruppe, die Akteure verfügen aber über fast drei Jahrzehnte Erfahrung in der Darstellung und Präsentation hochmittelalterlicher Adelsdarstellung. Der Schwerpunkt der Gruppe liegt in Visualisierung militärischen Lebens.

Furor normannicus ist eine Interessengemeinschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Zeit der Normannen im Hochmittelalter wiederaufleben zu lassen.
Dies geschieht durch praktische Darstellung der Gewandungen, Rüstungen und Handwerkskunst "am Mann", d.h. durch Nachbildung und Nachbau der historischen Ausrüstung der Menschen in einem Reiselager am Ende des 12. Jahrhunderts.